Einige Bäume bilden als besondere Form des Stammwuchses Gabelungen, sogenannte Zwiesel aus. Der Baum bildet dabei seinen Stamm nicht aus einem, sondern aus zwei oder mehreren Trieben.

Dies erfolgt aus sehr unterschiedlichen Gründen wie zum Beispiel Verletzungen in der Jugend, Erbanlagen oder Windbruch.

In der Baumpflege und Beurteilung der Verkehrssicherheit von Bäumen unterscheiden wir in sogenannte Druck- und Zugzwiesel.

Der Druckzwiesel besteht aus zwei gleichwertigen Stämmen, die (wie bei einem V) spitz auseinander laufen.

Bei einem Zugzwiesel ist diese Stelle deutlich abgerundet (U-förmig).

Zugzwiesel sind für den Baum meist unbedenklich, da bei diesen das sogenannte Zugholz für statisch günstige Voraussetzungen und eine stabile Verbindung sorgt.

Druckzwiesel hingegen sind kritisch zu betrachten und bruchgefährdet. Oft bildet sich am Mittelpunkt der Vergabelung ein von beiden Seiten aufwölbendes Gewebe und in der Mitte sinkt das Gewebe ab. Der Baum erzeugt nicht genug Holz, um die Lücke zu schließen. In Folge beginnen sich unterhalb an den Seiten der Vergabelung sogenannte Rippen oder Elefantenohren zu bilden. Dabei versucht der Baum ganze Jahresringe um die kritische Vergabelung aufzubauen, um den Zwiesel zu stabilisieren. Auch tritt gelegentlich an der Oberseite der Vergabelung ein schwarzer Saftfluss auf, der leicht mit Wasser zu verwechseln ist. Der schwarze Saftfluss lässt sich auf Bewegungen innerhalb der Vergabelung zurückführen und ist unabhängig von äußeren (Witterungs-) Einflüssen.

Spätestens jetzt besteht dringender Handlungsbedarf, da der Baum nicht mehr ausreichend bruchsicher ist und Sie sollten einen erfahrenen Baumpfleger zu Rate ziehen.

Baumpflegerische Maßnahmen können den Zwiesel stabilisieren und somit vor einem unkontrollierten Ausbruch schützen. Wir bevorzugen dabei den Einbau von sogenannten Kronensicherungen bestehend aus Kunststoff-Hohlgeflecht-Seilen aus Polypropylen. Dabei kann der artgerechte Wuchs des Baumes fast immer vollständig erhalten bleiben.

Das (leider) oft praktizierte Einkürzen ganzer Kronenteile, statt dem Einbau von Kronensicherungen, sollte nur im Ausnahmefall erfolgen, da jeder große Schnitt eine Wunde im Baum darstellt, die in Zukunft zu einem weiteren Problem für Ihren Baum und die Sicherheit werden kann.

Beim letzten Sturm, der durch unsere Region zog, ist das Fehlen der nötigen Kronensicherung einer großen gesunden Eiche zum Verhängnis geworden. Wir wurden zur Beurteilung und Sturmschadenbeseitigung gerufen. Die entstandene Wunde durch den Ausbruch war so groß, dass nur die Fällung des verbliebenen Stämmlings übrig blieb. Nun steht in diesem Garten kein großer schöner Baum mehr und dies ist leider kein Einzelfall…

Bedenken Sie bitte als Besitzer eines Zwieselbaumes: Das Fällen eines Baumes bedeutet den Totalverlust für das gesamte Umfeld und die Kosten sind dafür weitaus höher, als für den Einbau von Kronensicherungen. Große Bäume benötigen hunderte Jahre zum Wachsen und der Ausbruch eines Stämmlings geschieht innerhalb weniger Sekunden.